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Eine der ersten Ausführungen der stehenden, einfach wirkenden Pumpe

Eine Rohrleitung führte der Pumpe von einer höher gelegenen Stelle des Baches Wasser zu, das durch seinen statischen Druck einen großen Treibkolben in einem Zylinder antrieb, der wiederum einen kleineren Druckkolben in einem anderen Zylinder bewegte. Das Größenverhältnis der beiden Kolben war abhängig vom Druck des Triebwassers – also dem Gefälle des Gewässers – und der Höhe, in die das Wasser gepumpt werden mußte. Einfach ausgedrückt: die Pumpe war ein Druckübersetzer, viel Wasser mit geringem Druck versetzte wenig Wasser unter hohen Druck und preßte es in die Höhe. Selbst wenn das Gefälle eines Bachlaufes nur einen geringen Druck des Triebwassers zuließ, konnte Nutzwasser in große Höhen gepumpt werden. Nur das Verhältnis zwischen Druck und Menge des Triebwassers auf der einen und Förderhöhe und Menge des Nutzwassers auf der anderen Seite mußte stimmen.

Lambach Pumpen erreichten einen hohen Wirkungsgrad. Schon ein kleiner Bach genügte, um sie anzutreiben und einen Teil seines Wassers, oder aber z.B. Wasser aus einem Trinkwasserbrunnen zu fördern. Im Gegensatz zu den anderen durch Wasserkraft angetriebenen Pumpen wie z.B. den Wasserwiddern mußten bei Lambach-Pumpen Trieb- und Nutzwasser nicht identisch sein, je nach Bedarf liefen sie in getrennten Kreisläufen, und man konnte zum Trinken ungeeignetes Wasser aus einem Bach oder Fluß als Triebwasser verwenden und sauberes Trinkwasser aus einem Brunnen oder einer Quelle fördern. Genauso konnte man aber die Pumpe auch mit dem Trinkwasser selbst betreiben und das ablaufende Triebwasser weiterhin als Trinkwasser verwenden, da es nicht verunreinigt wurde.

Für den Betrieb war jeweils ein Pumpenmeister zuständig, der die Anlage wöchentlich einmal inspizieren, reinigen und schmieren sollte - ein ganz geringer Aufwand. Die Pumpe lief und lief, ohne Unterbrechung Tag und Nacht, Sommer und Winter, fast geräuschlos. Viele Pumpen waren im Winter monatelang garnicht zu erreichen, vor allem die in den höheren Lagen, z.B. im Riesengebirge, wo der Schnee meterhoch Wege und Pumpenhaus bedeckte, und selbst das war ohne Probleme. Die Pumpen liefen, bis irgendwann mal, nach Jahren oder Jahrzehnten, Dichtungen zu erneuern waren, und auch das war sehr einfach und nicht teuer.

Als die ersten Anlagen installiert waren und ihre Zuverlässigkeit und Leistung bekannt wurden, sprach sich das schnell herum, die Pumpen wurden von Gemeinde zu Gemeinde weiterempfohlen und die Nachfrage war groß. Am 03.10.1895 erteilte das Kaiserliche Patentamt der "Firma G. Lambach in Oberwipper b. Marienheide" die Patentschrift 86904 und am 10.04.1897 ein zweites Patent Nr. 95308 auf ein verbessertes Ventil. Die neuen Ventile boten so große Vorteile, daß zuvor gebaute Anlagen damit nachgerüstet wurden. Lambach stellte den Mühlenbau ein, verpachtete die Ziegelei und produzierte nur noch Pumpen.

Das kleine Unternehmen mit nur maximal 12 Mitarbeitern war erfolgreich, Gottlieb Lambach konnte seiner Familie ein gutbürgerliches Leben und seinem 1875 geborenen Sohn Wilhelm eine gute Ausbildung bieten. Wilhelm wurde 1895 Schlossergeselle, studierte danach in Stuttgart und Berlin und wurde Ingenieur. Nach einigen Jahren bei Alfred Krupp in Essen stieg er 1908 in den Betrieb seines Vaters ein und übernahm ihn im Jahr 1910.

Wilhelm hatte die technische Begabung seines Vaters geerbt, hinzu kamen seine gute Ausbildung und seine Berufserfahrung in einer der modernsten metallverarbeitenden Fabriken der Welt. Er konnte die geniale Erfindung seines Vaters noch weiter verbessern und die Fertigung rationalisieren. Er entwickelte die doppelt wirkenden Pumpen in stehender und liegender Form, die in verschiedenen Standardgrößen und für Förderhöhen bis zu 300 m angeboten wurden. Er entwickelte auch eine Art Werksnorm und setzte, wo es ging, industriell gefertigte Standardteile ein, die damals verstärkt auf den Markt kamen. In dieser Zeit erkannten Handwerk und Industrie allgemein die Notwendigkeit der Standardisierung und der Normierung, was wenige Jahre später, gegen Ende des Ersten Weltkriegs, zur Deutschen Industrie-Norm DIN führen sollte.

Wie schon sein Vater, reiste auch Wilhelm Lambach selbst zu jedem Einsatzort und berechnete für jeden Fall eine genau für die gegebenen Umstände und die gewünschte Förderleistung angepaßte Pumpe, und er installierte sie auch meist selbst oder überwachte persönlich die Installation.


Wilhelm Lambach sen.
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